Einladung: Bildungsreform als Humanexperiment?

Freitag, den 14.09.2012 um 18:30 Uhr in der Mensa
im Schulzentrum Wald-Michelbach

Kindergärten, Schulen und Hochschulen sind in den letzten Jahren zum Schauplatz eines regelrechten Reform Eifers geworden. Durch tiefgreifende Umwälzungen soll das deutsche Bildungssystem international „wettbewerbsfähig“ gemacht werden: G8, Lernstandserhebungen, Qualitätsanalyse, Zentralabitur, Bildungsstandards, Kompetenzorientierung, Output-orientierte Steuermodelle, Reform der Lehrerausbildung. Es ist auffällig, dass all diese Maßnahmen nicht nur die versprochene Wirkung verfehlen, sondern die Probleme nur weiter verschärfen: Kinder, Eltern, Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer, Studierende und Professoren sind bis zur Besinnungslosigkeit mit „Bildung“ beschäftigt.

Gut gemeint und nur schlecht gemacht? 10 Jahre Bologna sind genug

Ein fragwürdiges Jubiläum gibt Anlass zur Besinnung: Was hat es mit der Bologna-Reform auf sich, worum ging es dabei eigentlich und wie geht es weiter?

Die übliche Legende um den Bologna-Prozess ist schnell erzählt: 1999 hätten europäische Staaten in Bologna eine Erklärung unterzeichnet, die die Wettbewerbsfähigkeit und internationale Kompatibilität der Hochschule sichern wollte, um einen einheitlichen europäischen Hochschulraum zu schaffen. Dazu habe man mit dem BA/MA-System vergleichbare Abschlüsse geschaffen, ein Credit-Point-System eingeführt und die Studiengänge „kompetenzorientiert“ modularisiert. So sollten Studienortwechsel einfacher, Studienzeiten kürzer und Abschlüsse berufskompatibler werden.

Forum Bildung Hamburg: Was ist gute Schule?

Dienstag, 11. September 2012, 20:00 Uhr in der Aula der Brecht-Schule Hamburg, Norderstraße 163-165, 20097 Hamburg

Hamburg steht nach dem Volksentscheid vom 18. Juli 2010 vor der nächsten Schulreform: Die Deputation der Schulbehörde soll in der Sitzung am 19. September 2012 den von Schulsenator Ties Rabe (SPD) vorgelegten Orientierungsrahmen Schulqualität“ beschließen, mit dem Hamburgs Schulen und der Unterricht in diesen flächendeckend auf „Kompetenz-Orientierung“ umgestellt werden sollen. Was bedeutet diese Schulreform im Fall ihrer Umsetzung für Schulleitungen, Lehrkräfte, Eltern, Schülerinnen und Schüler?

„Viele Studenten, wenig Lehrlinge – Akademiker werden zum Problem“

„Immer mehr junge Leute wollen studieren. An den Universitäten tummelten sich 2010 2,22 Millionen Studierende. Die Folge davon: den Industriebetrieben, Handwerkern und Dienstleistungsfirmen gehen die Lehrlinge aus“

Inklusive Bildung – Sinnvolles Leitprinzip oder pädagogische Wohlfühlformel?

Seit die Behindertenrechte mit einer eigenen UN-Konvention gestärkt worden sind, hat die Forderung nach einem inklusiven Bildungssystem deutlich Auftrieb bekommen.Auch viele katholische Verbände haben sich diese Forderung inzwischen zu eigen gemacht. Doch ist das neue Leitbild durchaus umstritten.

Uni-Ranglisten: Widerstand gegen den Unfug des „Rankings“

„Nach der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) hat nun auch der Verband der Historiker Deutschlands (VHD) sich gegen das Universitäts-“Ranking“ des Gütersloher „Centrums für Hochschulentwicklung“ (CHE) ausgesprochen. Wie schon im Jahr 2009 beabsichtigt das CHE eine Befragung von Professoren und Studenten der Geschichte, die Auswertung von Drittmitteleinwerbungen und Promovendenzahlen, um damit und aus anderen Kennziffern … Weiterlesen

›Kompetenz‹

Auch Sprachspiele kennen Sieger und Verlierer. ›Kompetenz‹ jedenfalls hat es in den letzten Jahren in den Olymp der Modebegriffe geschafft: Allenthalben sprießen ›Kompetenz-Zentren‹ hervor, werden durch ›Kompetenz-Netzwerke‹ die viel beschworenen ›Synergieeffekte‹ nutzbar gemacht. Politiker scharen in Wahlkampfzeiten ganze ›Kompetenz-Teams‹ um sich, und ein großer deutscher Haushaltsgerätehersteller tauft sogar einen Herd auf den Namen ›Competence‹. Ratgeberliteratur widmet sich dem ›kompetenten Säugling‹ und im Zeichen der demographischen Entwicklung erscheint ›kompetentes Altern‹ mehr als nur als ein Lifestyleaccessoire. Gewiss tragen auch die erziehungswissenschaftlichen Fachdiskurse, in denen der Begriff ein fruchtbares Biotop fand, zu dieser Popularität bei. (Vgl. Medienkompetenz, soziale Kompetenz, kommunikative Kompetenz, Handlungskompetenz, Fachkompetenz, Methodenkompetenz bis hin zur Inkompetenzkompensationskompetenz).

›Module‹

»Die Module spiel’n verrückt …« — Vielen Universitätsangehörigen klingt dieser Tage wieder der 80er Jahre Song »Computerliebe« (1984) von Paso Doble schmerzlich in den Ohren, der damals im Zuge der ›Neuen Deutschen Welle‹ die Spitze der Hitparaden erklomm. In deutschen Universitäten wird gegenwärtig ständig von Modulen gesprochen. Durch die Umstrukturierung der Studiengänge in solch thematisch gebündelte Lehreinheiten, der jeweils ›passende‹ Lehrveranstaltungen zugeordnet werden, verkommt ihr Inhalt beinahe zur Nebensache, da er von einem trivialen äußeren Zweck überlagert wird. Schließlich ist die Anrechenbarkeit eines Seminars oder einer Vorlesung für den noch fehlenden Modulbereich mittlerweile von weit größerem Interesse als ihr vermeintlicher Bildungswert.

›zukunftsfähig‹

Was waren das für Zeiten, als das Wörtchen ›neu‹ in der Werbung noch unser Begehren kitzeln konnte und das Aufsatzthema: »Wie stelle ich mir das Jahr 2000 vor?« die Phantasie von Grundschülern beflügelte? Alle waren damals sicher, dass die Kinder heute mit Raumschiffen zur Schule fliegen würden, denn die Zukunft war mit Wünschbarkeiten zu bevölkern und der goldene Erfüllungsweg hieß Fortschritt.