Kompetenz – ein Hochwertwort als Figur im Polit-Schach

Wenn man das Problem historisch betrachtet, wird sogleich klar, dass ‚Kompetenzerwerb‘ kein neuartiges Desiderat darstellt, sondern eine alte Selbstverständlichkeit jeder Art von Schule – einzig mit unterschiedlichen Termini bezeichnet: In den 50er-Jahren etwa hießen (überfachliche) Kompetenzen ‚Sekundärtugenden‘ (so z.B. Fleiß, Ordnung, Sauberkeit, Sorgfalt) und wurden durchaus auch benotet, also offenbar (wie auch immer) gemessen.

„Wissen“ oder „Kompetenz“: Ein überflüssiger Streit?

Gastbeitrag von Jürgen Oelkers

Wer sich als Pädagoge mit der Frage „Wissen“ oder „Kompetenz“ beschäftigt, muss sich auf ein Thema einlassen, das für die Philosophie reserviert zu sein scheint. Damit handelt man sich ein Problem ein, nicht nur der Grenzverletzung, sondern auch der Akzeptanz. Denn wenn Philosophen auf die Pädagogik blicken, sehen sie meistens nur einen Ableitungszusammenhang oder schlechte Philosophie und jedenfalls nicht ein eigenständiges Reflexionsfeld. Aber man kann auch fragen, was denn Philosophen machen, wenn sie sich auf pädagogisches Terrain begeben, also erziehen und unterrichten. Ich habe Glück und kann die Frage auf die Besten im Fach beziehen.

„Wer keine Ahnung von Geschichte hat, dem hilft auch Wikipedia nicht weiter“

In seiner Streitschrift „Geisterstunde. Praxis der Unbildung“ rechnet der Philosoph Konrad Paul Liessmann mit den Moden des Nichtwissens ab. Ein Gespräch über PISA, Bologna und Adam und Eva von Ferdinand Knauß (WiWo)

Wie die ‚OECD-Steuerung’ weltweit historisch gewachsene Bildungssysteme uniformiert und banalisiert

Seit 14 Jahren haben sich viele europäische Staaten von der OECD in die sogenannten Pisa-Studien einbinden lassen. Sie produziert alle drei Jahre Ranglisten der getesteten Schüler beziehungsweise der Länder, in denen sie unterrichtet werden. Weltweit hat sich die Zahl der mitmachenden Staaten innerhalb weniger Jahre mehr als verdoppelt, Tendenz rasch steigend.

For knowledge itself is power no more

Gastbeitrag von Roger von Wartburg

„For knowledge itself is power“ schrieb Francis Bacon im Jahre 1598. Übersetzt und verkürzt ist das Zitat zum Gemeingut geworden: „Wissen ist Macht. (…) Wissen und Macht des Menschen fallen zusammen, weil Unkenntnis der Ursache über deren Wirkung täuscht.“ Das Wissen dient also dem Menschen dazu, sich der Täuschung zu erwehren. Denn wer nichts weiß, muss alles glauben.