Veröffentlicht am 03.10.14

For knowledge itself is power no more

Wie Sir Francis Bacon zu Grabe getragen wird

Gastbeitrag von Roger von Wartburg

„For knowledge itself is power“ schrieb Francis Bacon im Jahre 1598. Übersetzt und verkürzt ist das Zitat zum Gemeingut geworden: „Wissen ist Macht. (…) Wissen und Macht des Menschen fallen zusammen, weil Unkenntnis der Ursache über deren Wirkung täuscht.“ Das Wissen dient also dem Menschen dazu, sich der Täuschung zu erwehren. Denn wer nichts weiß, muss alles glauben.

Wenig erstaunlich, dass die Gründerväter der deutschen Sozialdemokratie gegen Ende des 19. Jahrhunderts diese Idee in ihrem Liedgut kolportierten: „Des Geistes Licht, des Wissens Macht, dem ganzen Volke sei’s gegeben!“, heisst es dort. Ein Protest dagegen, dass grossen Teilen der Bevölkerung der Zugang zu Bildung und Wissen verwehrt blieb. Noch einmal 100 Jahre später, in den 1970er Jahren, wurde Bacons Gedanke als Parole der Sponti-Bewegung in verschiedenen Varianten persifliert, z.B. mit den Worten: „Wissen ist Macht. Wir wissen nichts. Macht nichts.“

Heute nun, scheint es, wird Ernst gemacht mit der ehedem sarkastisch gemeinten Abgrenzungsrhetorik jugendlicher Subkultur. Der Wert des Wissens ist im Sinkflug begriffen. Man solle damit aufhören, im Zeitalter des Internets die Gehirne der Kinder von heute und morgen mit Informationen von gestern zu belasten, deren Halbwertszeit sich in immer höherem Tempo verringere, heisst es. Der Wert des ach so schnöden Wissens wird systematisch kleingeredet, rhetorisch in umso gleissenderes Licht getaucht dagegen wird der Begriff der „Kompetenz“.

Mir scheint, als habe sich im dichten Nebel der Ungeklärt- und Unbestimmtheit des Kompetenzbegriffs eine Sprach- und Deutungsverwirrung babylonischen Ausmasses aufgetan, aus der eine gänzlich unheilige Allianz hervorgegangen ist: Da sind die Hohepriester des Ökonomismus, denen jede Form von Wissen antiquiert und suspekt erscheint, die nicht in einen unmittelbaren Bezug zu einer Praxis gestellt werden kann.

Die Apologeten des angeblich überlegenen angloamerikanischen Bildungsmodells, welche dieses mitsamt seiner hinlänglich bekannten Schwächen und gesellschaftlichen Implikationen auch bei uns verankern wollen.

 

Der ganze Beitrag als PDF: v. Wartburg: Wie Sir Francis Bacon zu Grabe getragen wird


			

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