Julian Nida-Rümelin und der „Akademisierungswahn“
Wer sich noch an die Bildungsreform der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts erinnert, wird vielleicht aufgemerkt haben, als Anfang September Julian Nida Rümelin als intellektueller Exponent der SPD in einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ den „Akademisierungswahn“ im deutschen Bildungswesen geißelte und eine Lanze für die Berufsausbildung im Dualen System brach. Er machte damit eine ihm offenbar pathologisch erscheinende Tendenz des Bildungssystems aus, die seine Partei einst massiv unterstützt und auch maßgeblich in die Praxis umgesetzt hatte. Die politisch gewollte Bildungsexpansion als „Wahn“ zu bezeichnen, hätte Nida-Rümelin also möglicherweise an den Rand des Parteiausschlusses gebracht.