Veröffentlicht am 15.05.19

Tagungsbericht: „Time for change? – Teil II: Im Hamsterrad“

Ein Beitrag von Karl-Heinz Dammer, Rahel Hünig und Anne Kirschner

Am 4.5. fand nach dem großen Erfolg der Auftakttagung im Februar letzten Jahres die zweite GBW-Tagung zum Thema „Time for change?“ statt, zu der sich wieder rund 400 Besucher aus allen Teilen Deutschlands, Österreichs  und der Schweiz an der Universität Wuppertal einfanden. Sie stand diesmal unter dem Motto „Im Hamsterrad“ und griff damit ein Gefühl auf, unter dem viele im Bildungsbereich tätige Menschen angesichts der aufwändigen Inszenierungen vermeintlichen Fortschritts leiden dürften. Ziel der Tagung war, diese Inszenierungen zu erhellen, also Antworten darauf zu geben, wer (um im Bild zu bleiben) das Hamsterrad mit welchen Mitteln und warum konstruiert und wie wir dazu gebracht werden, das Hamsterrad scheinbar aus unseren eigenen Motiven heraus in Bewegung zu halten. Neben den Analysen wurden aber auch Handlungsperspektiven aufgezeigt, um das zu erreichen, was die Veranstalter jedem Teilnehmer und jeder Teilnehmerin auf einem Button als Devise mit auf den Weg gaben: „Free the Hamster!“

Wie im letzten Jahr wechselten sich theoretische Beiträge mit praxisbezogenen ab, die diesmal jeweils als Kontrapunkte in vier Themenblöcke unterteilt waren: Im ersten Block ging es um die Frage, wie Überlastung gezielt psychologisch produziert wird, zugleich wurden aber auch Perspektiven aufgezeigt, wie bei aller Überlastung dennoch bildender Unterricht gelingen kann. Der zweite Block befasste sich kritisch mit der Schulentwicklung als Strategie, die Lehrkräfte dazu bringen solle, ihre professionelle Freiheit selbst zu zerstören, was aber keineswegs, wie das Gegenbeispiel aus der Praxis zeigte, ein unabwendbares Schicksal ist, wenn man dem erkannten Missstand mit etwas Mut und Chuzpe entgegentritt. Der dritte Themenblock war der Schulinspektion gewidmet, die aus theoretischer Perspektive als ein Instrument zur Normierung schulischer Arbeit durch methodisch ungeeignete Messinstrumente analysiert wurde. Der Praxisbeitrag zeigte demgegenüber eindrucksvoll, wie eine Schule sich selbst unter extrem schwierigen Ausgangsbedingungen ohne aufwändige Inspektion erfolgreich entwickeln kann, wenn man sich konsequent grundlegender pädagogischer Mittel bedient. Abschließend wurde im vierten Block aufgezeigt, wie der universitären Lehrerbildung die Wissenschaft ausgetrieben und sie zu einem Instrument der politischen Akzeptanzbeschaffung degradiert wird. Der Tag wurde abgerundet durch eine Performance, die satirisch die hohle Rhetorik des Change-Managements aufs Korn nahm.

 

Lesen Sie hier den vollständigen Tagungsbericht als PDF: 2019_Bericht_Time_for_change_Dammer_Hünig_Kirschner

 

Bilderstrecke: Wider das Hamsterrad an der Bergischen Universität Wuppertal

Prof. Dr. Jochen Krautz eröffnete die Tagung mit einer pointierten Analyse der Typologie des schulischen Hamsterrads.

 

Im Anschluss erklärte Prof. Dr. Silja Graupe, unter welchen Bedingungen Überbelastung als Machtinstrument funktioniert, während Dr. Claudia Schadt-Krämer aufzeigte, wie man trotz alledem noch Schüler*innen bilden kann.

 

Die Pausen boten Zeit für weiterführende Diskussionen.

 

Prof. Dr. Carl Bossard und Dr. Matthias Burchardt sprachen über Bedeutung und Notwendigkeit der pädagogischen Freiheit.

 

Prof. Dr. Karl-Heinz Dammer und der Schulleiter Michael Rudolph hinterfragten die Schulinspektion aus theoretischen und schulpraktischen Perspektiven.

 

Das Publikum: kreativ und kritisch.

 

Während Prof. Dr. Volker Ladenthin die der Wissenschaft in der ersten Phase der Lehrer*innen(aus)bildung zugewiesene Funktion als Akzeptanzbeschaffung entlarvte, dekonstruierte Arno M. Feld das Referendariat als triangulares Coaching.

 

 

Am Ende waren sich alle einig: „It´s time for change!“ …

 

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