Veröffentlicht am 29.05.14

Evidenzbasierte Bildungsforschung

Gastbeitrag von Sieglinde Jornitz

In der deutschen Erziehungswissenschaft nimmt ein Teil der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für sich in Anspruch, eine „evidenzbasierte Bildungsforschung“ zu betreiben. Sie versuchen, sich als Avantgarde zu erkennen zu geben, indem sie ein in den USA und in Großbritannien sich mehr und mehr verbreitendes Konzept auch in Deutschland etablieren wollen. Im Folgenden soll zunächst geklärt werden, was unter Evidenz zu verstehen ist, um von dieser Begriffsbestimmung aus das Konzept zu beleuchten.

Wenn etwas als evident bezeichnet wird, dann ist gemeint, dass es augenscheinlich und augenblicklich eingesehen, ja verstanden werden kann. Etwas erweist sich als evident, wenn es nicht mehr erklärt und begründet werden muss. Die Erkenntnis einer Sache ist dann durch drei Momente gekennzeichnet: durch ihre Plötzlichkeit, ihre Vollständigkeit und durch die sinnlich bezeugte Einsicht. Umgangssprachlich könnten wir „evident“ durch die Formulierung „etwas liegt auf der Hand“ ersetzen. Die Sache wird auf einen Blick so deutlich, dass sich jede weitere Nachfrage oder Erörterung erübrigt.
Kritik und Skepsis prallen am Evidenten ab. Dabei ist im Laufe der Philosophiegeschichte die Evidenz erzeugende Instanz sowohl dem urteilenden Subjekt als auch dem Objekt, über das Verbindliches ausgesagt wird, zugeschrieben worden. Ein großer Teil des Nachdenkens über Evidenz besteht in der Zerstörung ihres trügerischen Scheins.

Als Ausgangspunkt für Forschung ist eine so verstandene Form der Evidenz schlechterdings nicht denkbar, liefert sie doch keine Motive, Forschung überhaupt in Gang zu setzen. Forschung tritt erst dann auf den Plan, wenn etwas nicht evident oder eine vermeintliche Evidenz brüchig geworden ist. Erst der Zweifel provoziert eine Ergründung der Urteilsformen und ihrer Basis mit wissenschaftlichen Mitteln.

Der ganze Text als pdf: S. Jornitz: PaedKorr_2009 Evidenzbasierte_Bildungsforschung

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