Veröffentlicht am 03.12.13

Bildungsziel: Anpassung

Volker Ladenthin im Interview mit Jens Wernicke, Wirtschaftswoche vom 3.12.2013

Am 3. Dezember 2013 wurde die fünfte PISA-Studie vorgestellt. Während das Bundesministerium für Forschung und Bildung diese Studie als Erfolg wertet (PISA 2012: Schulische Bildung in Deutschland besser und gerechter, PM vom 3.12.2013) und der deutschen Bildungspolitik ein großes (Eigen)Lob ausstellt:

„Deutschland übertrifft mit 514 Punkten in der mathematischen Kompetenz signifikant den OECD-Durchschnitt (494 Punkte). Dieses positive Bild zeigt sich für alle vier mathematischen Inhaltsbereiche.“ (PM BMBF, S. 2)

zeigt der Erzeihungswissenschaftler Volker Ladenthin (Univ. Bonn) die Kehrseite auf. Unbestritten schneidet man in Tests besser ab, wenn dafür geübt. Aber mit welcher Intention?

„PISA will den angepassten Schüler, der ohne nachzufragen das aus einem Text heraussucht, was man ihn suchen lässt, der aber keine eigenen Gedanken zum Text entwickelt.“ (Ladenthin)

Oberstes Ziel seien Vergleichbarkeit, Gleichförmigkeit und Standardisierung von Lehrinhalten und Gelerntem:

„Die Ziele von Bildung heißen inzwischen „Bildungsstandards“. Das verdeutlicht vor allem eines: Dass nämlich die OECD überall auf der Welt gleich qualifizierte Arbeitskräfte haben möchte. Warum? Meine Antwort: Damit die Produktion jederzeit problemlos dahin ziehen kann, wo die Lohnstückkosten bei gleichem Ausbildungsstandard der Arbeitskräfte am niedrigsten sind. Siehe Nokia. Um das zu erreichen, müssen Menschen überall gleich qualifiziert sein.“

Das ganze Interview in der WiWo:
V. Ladenthin, J. Wernicke: PISA gefährdet unser Bildungssystem

Siehe auch:
Interview mit Thomas Jahncke, Professor für Didaktik der Mathematik (Uni Potsdam) im ARD-Morgenmagazin

Th. Steinfeld (Süddeutsche / 2. 12 2013 / Pisa-Studie) :
Politische Fiktion von Wissen

 

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