Veröffentlicht am 30.11.11 |

Kölner Symposion großer Erfolg

„Verschwinden in der Sichtbarkeit – Demokratie setzt aus“: Unter diesem Titel hat das Institut für Bildungsphilosophie der Universität zu Köln in Kooperation mit der Gesellschaft für Bildung und Wissen e.V. (GBW) am vergangenen Wochenende ein Symposion ausgerichtet, das sehr großen Anklang gefunden hat.

Namhafte Referenten aus der Erziehungswissenschaft und politischen Bildung haben am ersten Tag demokratietheoretische Grundlagen erörtert, die am zweiten Tag durch die Analyse aktueller bildungspolitischer Entwicklungen ergänzt wurden. Hierbei wurde auch die Perspektive der Wirtschaftswissenschaften berücksichtigt, um die fächerübergreifende Relevanz des Themas zu verdeutlichen. Die Reaktionen im Plenum haben die Organisatoren in der Annahme bestätigt, daß sich unter dem Schlagwort „Postdemokratie“ viele Dinge verbergen, die eine öffentliche Aufklärung nötig machen und die Institutionen zu Antworten herausfordern, die sie bislang oft schuldig geblieben sind. So haben z.B. die Einflüsse der Bertelsmann-Stiftung auf die Bildungsreform und die Hintergründe von PISA, Bologna und co. für sehr viel Diskussionsstoff gesorgt. Auch die Rückmeldung zu den anderen Vorträgen hat deutlich gezeigt, daß ein enormer Informationsbedarf besteht und die aktuellen bildungspolitischen Trends nicht nur Fachwissenschaftler im Rahmen theoretischer Analysen angehen sollten, sondern Lehrer, Eltern, Studierende und Schüler gleichermaßen betreffen. Die beunruhigende These der Wandlung des freien Subjekts zum Homo Oeconomicus und verwertbaren Humankapital bedarf der weiteren kritischen Aufmerksamkeit und intensiven öffentlichen Auseinandersetzung, so waren sich die Redner und Teilnehmer am Ende einig. Folgeveranstaltungen sind bereits angedacht.

Die Redaktion der GBW ist derzeit bemüht, die einzelnen Beiträge in schriftlicher Form als Zusammenfassung, Abstract oder Präsentation auf die Website zu stellen und hat diesbezüglich bereits mit den Referenten Kontakt aufgenommen.

Darüber hinaus werden die Vorträge in ausführlicher Fassung in der Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Pädagogik erscheinen.

„Der homo oeconomicus als antidemokratisches Denkmodell“ (Silja Graupe, Alfter)

„Technokratisierung der Autorität“ (Rita Casale, Wuppertal)

„Postpolitisch – Postsouverän – Postfundamental. Aussetzer und Einsätze der Demokratie“ (Carsten Bünger, Darmstadt)

„Wohin zu bilden – zum Staatsbürger oder zum Zoon politikon?“ (Micha Brumlik, Frankfurt)

„Über die Postdemokratie im Bildungswesen“ (Clemens Knobloch, Siegen)

„Die vertagte Demokratie – zur politischen Dimension der öffentlichen Meinung“ (Erik Ode, Köln)

„Bildungsreform und Propaganda: Durchsetzungsstrategien in einer gesteuerten Demokratie“ (Jochen Krautz, Alfter)

„Liebesgrüße aus Gütersloh – Agenten der Postdemokratie“ (Matthias Burchardt, Köln)

„Den Experten wieder eine Stimme geben. Erfahrungen aus der Schweiz: das Projekt ‚fach'“ (Ralph Fehlmann, Zürich)

Dr. M. Burchardt, vertretender Geschäftsführer der GBW, hat dem Kölner Hochschulradio „Kölncampus“ am Eröffnungstag der Tagung ein Interview gegeben: Anhören

Impressionen der Tagung…

Zu den Autoren:

Ode, Erik

Dr. - Allgemeine Pädagogik, Institut für Bildungsphilosophie, Universität zu Köln, Redaktion der GBW

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