Kontrollwahn im Kindergarten
Mein Fünfjähriger erledigt Aufträge termingerecht, Barbara Achermann in annabelle (CH)
Mein Fünfjähriger erledigt Aufträge termingerecht, Barbara Achermann in annabelle (CH)
Rund 800’000 Menschen in der Schweiz können – aus verschiedenen Gründen – nicht richtig lesen und schreiben. Für sie ist die «Leichte Sprache» entwickelt worden. Tobias Ochsenbein in der NZZ vom 08.09.2014
Wer die Hoffnung hatte, nach dem Scheitern der Bolognareform mit dem Zerrbild der „unternehmerischen Hochschule“ würde sich das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) mit weiteren Reformvorschlägen zu Hochschulen zurückhalten, verkennt dessen Selbstverständnis. Ein Aspekt ist die Neudefinition und Ausweitung des Begriffs Hochschule.
Es ist gespenstisch: Wie von Geisterhand geführt, hat sich in den letzten Jahren, von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt, eine der radikalsten Veränderungen an Schulen und Universitäten vollzogen, ein Bruch mit einer jahrhundertealten Tradition, eine völlige Neuorientierung dessen, was Bildungseinrichtungen zu leisten haben und was die Absolventen solch einer Einrichtung auszeichnen soll.
Interview von Jens Wernicke mit dem PISA-Kritiker und stellvertretenden
Geschäftsführer der Gesellschaft Bildung und Wissen Matthias
Burchardt auf den Nachdenkseiten vom 8. September 2014.
Der Smartphone-Wunsch eines Kindes sie schnell erfüllt, schreibt Uwe Ebbinghaus in der FAZ. Von der gängigen Software für diese Geräte sei jedoch aus Gründen des Kinderdatenschutzes dringend abzuraten.
Die Bologna-Reform – der Umbau der Hochschulen nach Prämissen der Wirtschaft und verkürzt ökonomischen Denkmustern – ist in allen Punkten gescheitert. Das hindert deren Exegeten nicht, eine Rückbesinnung auf akademische und demokratische Traditionen als gestrig zu diffamieren.
Der Bildungsexperte Rainer Bremer kritisiert die «Leichte Sprache» als bildungsfeindlich und befürchtet eine Abwertung der sprachlichen Bildung. Interview mit Tobias Ochsenstein in der NZZ vom 8.9.2014
Gastbeitrag von Heribert Schopf
Es gibt Begriffe, an denen wir festhalten, obwohl wir gar nicht mehr so genau wissen, was mit ihnen alles noch im Spiel ist. Zu einem solchen Begriff wurde in den letzten Jahren der (klassische) Bildungsbegriff. Begriffe, die nicht (mehr klar) definieren (können), was sie sagen, oder jene, die es an sich haben, nicht klar begrenzen zu können, was sie meinen, werden zu Chiffren. Chiffren sind beliebig, haben wenig Kontur und sind offen für allerlei Füllungen. Gerade weil man ihre inhaltlichen Füllungen nicht mehr genau kennt, laufen derartige Begriffe Gefahr zu „Allerweltsbegriffen“, zu Schlag- oder zu Plastikwörtern zu werden. Auch Bildung, als leerer Begriff, ist zum „Totschlagargument“ geworden.
Gastbeitrag von Wolfram Meyerhöfer
Anfang Oktober werden Bildungsforscher den Kultusministern erklären, warum es weniger wichtig ist, sich mit dem Lernen zu beschäftigen, als Geld in die Vermessung der Ergebnisse des Lernens zu stecken. Zum Jahreskolloquium des DFG-Schwerpunktprogramms „Kompetenzmodelle zur Erfassung individueller Lernergebnisse und zur Bilanzierung von Bildungsprozessen“ werden die Bildungsentscheider nach Frankfurt am Main geladen. Die Bildungspolitik soll auf diese Weise dazu gebracht werden, noch mehr Geld aus der Verbesserung von Schule abzuziehen und stattdessen in das Testen von Schülern zu stecken.