Veröffentlicht am 02.10.13

Das können Sie vergessen

Überlegungen zum merkwürdigen Umgang mit Wissen in der „Wissensgesellschaft“,

Wer die veröffentlichte Meinung halbwegs aufmerksam verfolgt, dürfte kaum noch einen Zweifel daran haben, dass wir in einer „Wissensgesellschaft“ leben. Mit der gleichen Selbstverständlichkeit werden in diesem Zusammenhang die Botschaften kolportiert, dass die „Halbwertzeit“ des Wissens sich zunehmend beschleunige und man demzufolge auch nichts mehr zu wissen bräuchte, sondern nur noch wissen müsse, wo etwas steht. Die erste These ist zumindest eine grobe Verallgemeinerung, die zweite barer Unsinn, wie die folgenden Überlegungen zeigen werden. Beide Thesen wie auch die öffentliche Verwendung des Begriffs „Wissensgesellschaft“ verdanken aber ihre trügerische Überzeugungskraft der massenhaften publizistischen und mündlichen Verbreitung, die dem arglosen Rezipienten Wahrheit suggeriert, wo eine kritischePrüfung angebracht wäre. Kein Schelm ist, wer dabei an Orwells 1984 denkt und jenseits der bedenkenlosen Kolportage eine propagandistische Absicht vermutet.

Dieser Vermutung soll im Folgenden nachgegangen werden, ausgehend von der Feststellung, dass zwischen dem Etikett „Wissensgesellschaft“ und der Behauptung, man bräuchte nichts mehr zu wissen ein merkwürdiger Widerspruch besteht. Selbst wenn man zugestehen mag, dass es sich dabei um eine vereinfachende Zuspitzung handelt, ist schwer nachvollziehbar, wie eine „Wissensgesellschaft“ auf das, was sie angeblich konstituiert, leichten Herzens sollte verzichten können. Täte sie es, so meine These, dann würde sie zu einer geschichtslosen und eindimensionalen Gesellschaftsformation, welche die Dummheit zumindest der Mehrheit ihrer Bürger fördert und in dem Maße, wie sie den Wissensverzicht öffentlich propagiert, auch fördern will.

Der ganze Text als PDF: Dammer_Das können Sie vergessen (Wissensgesellschaft)

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