Ein Plädoyer für den Mathematikunterricht am Gymnasium
von PD Dr. Nima Moshayedi, Institut für Mathematik, Universität Zürich und Kantonsschule Trogen (25. Juni 2026)
Zusammenfassung
Der Beitrag formuliert ein bildungstheoretisches und mathematikdidaktisches Plädoyer für einen fachlich anspruchsvollen Mathematikunterricht am Gymnasium. Ausgangspunkt ist die These, dass mathematische Bildung nicht auf Rechenfertigkeit, Kompetenzraster, Lernstrategien oder instrumentelle Verwertbarkeit reduziert werden darf. Mathematikunterricht ist ein Ort der Begegnung mit begrifflicher Strenge, argumentativer Verantwortung, symbolischer Ordnung und geistiger Selbstbildung. Er führt Schülerinnen und Schüler in eine Denkform ein, die für Wissenschaft, Gesellschaft und persönliche Urteilskraft wesentlich ist.
Der Beitrag verteidigt die zentrale Rolle der Lehrperson, kritisiert eine pädagogische Reformsemantik, die Bildung zu oft in messbare Kompetenzen oder selbstorganisierte Lernarrangements übersetzt, und begründet, weshalb fachliche Tiefe für guten Unterricht unverzichtbar ist. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Gefahr, gymnasiale Mathematikbildung vom Minimum sogenannter basaler Kompetenzen her zu denken, sowie der These, dass echte Interdisziplinarität nur auf der Grundlage tragfähiger disziplinärer Bildung möglich ist. Künstliche Intelligenz wird als aktuelle Herausforderung aufgenommen, bleibt aber dem übergeordneten Anliegen mathematischer Urteilskraft zugeordnet.
Der Beitrag (10 Seiten) als PDF: Fachlichkeit als Bedingung mathematischer Bildung