Welche Art von Forschung für welche Art von Bildung? Lehrstunden für die OECD und andere. Gastbeitrag von Prof. Dr. Gert Biesta

Welche Art von Forschung für welche Art von Bildung?

Lehrstunden für die OECD und andere

Gert Biesta

ABSTRACT

In diesem Beitrag gehe ich der Frage nach, welche Art von Forschung die pädagogische Praxis benötigt und wie das Verhältnis zwischen Forschung und Praxis im Bildungswesen verstanden werden sollte. Dabei stütze ich mich auf einen aktuellen Bericht der OECD zu diesem Thema.

Ausgehend von einer Auseinandersetzung mit dem einzigartigen Charakter der pädagogischen Praxis argumentiere ich, dass pädagogische Praktiken zwei verschiedene Arten von Wissen benötigen: instrumentelles Wissen und orientierendes Wissen. Ferner zeige ich, dass instrumentelles Wissen im Bildungswesen niemals Gewissheit bieten kann, sondern sich auf mögliche Zusammenhänge zwischen dem Handeln von Lehrkräften und den Konsequenzen für die Schülerinnen und Schüler bezieht.

Ich hebe hervor, dass es zwei Wege gibt, auf denen die Beziehung zwischen Forschung und Praxis konzipiert und gestaltet werden kann. Der eine, die Funktionalisierung, ist eng an die Probleme der pädagogischen Praxis angelehnt; der andere, die Finalisierung, operiert in beträchtlicher Entfernung von den Anliegen der Praxis. Ich schlage ein Modell mit vier Modalitäten der Bildungsforschung vor und vertrete die Auffassung, dass sinnvolle Bildungsforschung alle vier Modalitäten „abdecken“ muss. Einer der Mängel des OECD-Dokuments besteht darin, dass es offenbar nur eine der vier Modalitäten berücksichtigt, nämlich die funktional-instrumentelle Forschung. Dies ist ein erheblicher Mangel, der jedoch nicht nur für den OECD-Bericht gilt, sondern ein allgemeines Problem in der Bildungsforschung und -politik darstellt.

Der Link zum Artikel:

https://doi.org/10.1080/1359866X.2026.2749544