Veröffentlicht am 19.01.14 |

Individuelle Förderung: Der große Bluff

Die Verabschiedung des Leistungsprinzips aus der Schule

Seit Bologna und PISA wurde dem angeblich nicht mehr tragbaren deutschen Bildungssystem eine Rosskur verpasst, die derzeit ihren Höhepunkt noch nicht erreicht haben dürfte. Die Protagonisten der Entwicklung versprachen im Rahmen ihrer neuen Bildungskonzepte sowohl quantitativ als auch qualitativ deutliche Verbesserungen entsprechend den OECD-Vorgaben. Nahezu verdoppelte Abiturientenzahlen in immer mehr Bundesländern bei gleichzeitigem Zurückfahren der Sitzenbleiberquote gegen Null sowie eine exponentielle Zunahme der Schüler mit der Abiturdurchschnittsnote von 1,0 (oder sogar besser) werden der staunenden Öffentlichkeit vorgestellt, all dies bei gleichzeitig verkürzter Schulzeit um ein Jahr und angeblichen Leistungssteigerungen aller Schüler in nahezu allen Fächern. Fragt man sich nach den Ursachen für diese Erfolgsmeldungen, so hört man gebetsmühlenartig den Verweis auf die den Schulen verordnete Aufforderung zur Einrichtung individueller Fördermaßnahmen. Auch der zunehmenden Heterogenität der Schülerschaft soll mit einer Individualisierung von Unterricht begegnet werden.

Individuelle Förderung in der Praxis – eine Mogelpackung

Dabei gilt es erst einmal zu klären, was man denn überhaupt unter individueller Förderung versteht? Von individueller Förderung kann man sicher dann sprechen, wenn die speziellen Verstehensprobleme eines einzelnen Schülers, zum Beispiel in Mathematik, von einem im Fach kompetenten Lehrer thematisiert und durch ausführliche Besprechung und fachdienliche Hinweise im optimalen Fall teilweise oder ganz beseitigt werden können. Laut Bertelsmann-Stiftung erhalten derzeit mindestens 1,1, Millionen Schüler kommerzielle Nachhilfe, was mit einem Gesamtbetrag von rund 1,5 Milliarden Euro pro Jahr zu Buche schlägt, nichtkommerzielle Nachhilfe nicht eingerechnet. Diese sei nun höchst unsozial, da Kinder aus einkommensschwächeren Familien von dieser Nachhilfe ausgeschlossen blieben. Durch Einbau von Fördermaßnahmen in die Schulen sei diese Form der Nachhilfe abzuschaffen.

Der ganze Beitrag als PDF: H.P.Klein: Individuelle Förderung – Der_große_Bluff

Zu den Autoren:

Klein, Hans Peter

Prof. Dr. - Abteilung für Didaktik der Biowissenschaften. Gothe-Universität Frankfurt