Veröffentlicht am 22.01.18

Schulische Inklusion: Noch ein Irrtum!

Ein Gastbeitrag von Bernd Ahrbeck

In: PROFIL, H. 11 (2017), S. 16-18

Nach einer zunächst euphorischen Aufnahme des Inklusionsgedankens ist jetzt Ernüchterung eingetreten. Selbst in den Medien, die jegliche Kritik als ewig gestrig gebrandmarkt hatten, scheint die Wirklichkeit nun angekommen zu sein.

Über schulische Inklusion wird offener berichtet und diskutiert, gerade in den letzten Wochen, auch ausgelöst durch den Film „Ich. Du. Inklusion.“ Über zweieinhalb Jahre lang hat der Autor Thomas Binn eine Schulklasse filmisch begleitet und in akribischer Kleinarbeit über die Realität vor Ort berichtet – sehr gelassen und erfreulich unideologisch. Der Zuschauer spürt, wie sehr er sich für das einzelne Kind und die Lehrkräfte interessiert, die vor schwierige, mitunter kaum lösbare Aufgaben gestellt werden.

Der Film zeigt, wie eine gemeinsame Beschulung gelingen und woran sie scheitern kann. Eindrucksvolle Szenen gibt es viele, besonders springen jene ins Auge, die auf große Schwierigkeiten verweisen. „Es fehlt an allem“, resümiert eine Lehrerin gleich zu Beginn, „die Bedingungen haben sich verschlechtert.“ Oft wechselt die Lehrerin zwischen unterschiedlichen Tätigkeiten hin und her, immer im Bemühen, jedem einzelnen Kind gerecht zu werden. Häufig gelingt das nicht: „Ich müsste immer an der Seite dieses Schülers sein, doch dann habe ich für alle anderen keine Zeit mehr.“ Ein anderes Kind ist sozial isoliert und lernt kaum etwas, es findet keinen Anschluss. „Wir müssen ihn beschulen“, sagt die Lehrerin, „obwohl er sich noch auf dem Entwicklungsstand eines Dreijährigen befindet“. Am hohen Engagement der Lehrkräfte liegt es ganz sicher nicht. „Die Lehrerin ist gut und schlau, aber mit 22 Schülern klappt das einfach nicht“, so eine Schülerin. Auch die Eltern und Mitschüler bemühen sich sehr. Dennoch bleibt der durchschlagende Erfolg aus, und der Schulleiter stellt nüchtern fest: „Eltern schicken ihre Kinder wieder vermehrt auf Förderschulen.“

„Wenn Anspruch auf Wirklichkeit trifft“, das ist der bezeichnende Untertitel des Films. Er bezieht sich auf eine ganz normale Schule, in einem kleinen Ort am Niederrhein, fernab von sozialen Brennpunkten. Eine markante Szene findet sich gegen Schluss: Ein Mädchen wird ungeduldig und ein wenig ärgerlich. Zu ihrem Mitschüler sagt sie: „Lass mich doch endlich mal meine Sachen machen, ich will mich auch mal um mich selbst kümmern.“

 

Der vollständige PROFIL-Artikel zum Weiterlesen: Profil 11_17-Ahrbeck-Inklusion

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